Alle Jahre wieder

Weihnachten ist Familienzeit. Zeit des Zusammenseins, der Rituale und Familien-traditionen. Trotz aller Hektik zwischen Weihnachtsfeiern und Geschenkebesorgungen – besinnlich ist es wahrlich nicht immer, oft chaotisch, wild und laut. Und dennoch: Wir mögen die Adventszeit und ihre besondere Stimmung wirklich sehr. Neugierig, wie andere Familien sich auf das Fest einstimmen, welche Traditionen sie hochhalten oder für sich selbst erfinden, haben wir drei Familien bei ihren Weihnachtsvorbereitungen besucht.

Titelgeschichte | BERLIN MIT KIND

Titelgeschichte © Foto: Silke Weinsheimer

Ob sie mit Stollen und Spekulatius im Gepäck 17 Flugstunden zur Mitternachtsbescherung nach Argentinien reisen, den ersten Advent alljährlich als riesiges Freundeskreis-Event feiern oder sich mit dekorativem und weihnachtlich riechendem Selbstgebastelten auf die Feiertage einstimmen, ganz gleich, wohin es die Familien dieses Jahr zum Fest verschlägt – schon die Jüngsten wissen ihre eigenen Familienrituale zu schätzen. Und spricht man mit ihren Eltern, merkt man schnell: Die Weihnachten der Kindheit mit all ihren Aktivitäten, vor allem aber Klängen, Gerüchen und Geschmäcken sind tief verwurzelt im Gedächtnis. Wir haben einiges an Inspiration aus diesen Begegnungen mitgenommen, unter anderem ein paar großartige Rezepte und DIY-Ideen, die wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen.

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Koffer voller Stollen und Grillen am Pool: Paz und Emil (9):

Im Alltag sind Paz und Emil ein eingeschworenes Zweierteam – aber sobald der letzte Schultag vorüber ist, wird der Flieger nach Argentinien bestiegen, um die Weihnachtsferien im Kreise von Paz‘ Großfamilie zu verbringen. Die Weihnachtsvorbereitungen der beiden bestehen also im Wesentlichen aus Reisevorbereitungen – immer im Gepäck dabei: Stollen, Spekulatius und Bratapfeltee. Auf diese urdeutschen Weihnachtsklassiker ist die argentinische Verwandtschaft ganz versessen und so packt Paz stets den halben Koffer voll damit.
Eigentlich sind Weihnachtsgebäck ebenso wie unsere vorweihnachtlichen Traditionen mit Adventskranz und -kalender in dem südamerikanischen Land unüblich und die Vorstellung, dass Plätzchen und winterliche Teemischungen bei 30 Grad am Pool gereicht werden, mutet auch einigermaßen schräg an.

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Für Emil aber gehört diese Kombination untrennbar zu Weihnachten dazu – seit er sich erinnern kann, hat er erst ein Mal die Feiertage im deutschen Winter verbracht. Der Neunjährige findet es jedenfalls großartig, jedes Jahr in den argentinischen Sommer entfliehen zu können und im Kreis der ganzen Sippe zu feiern. Der lange Flug ist natürlich schon ein bisschen lästig, aber dafür findet die Familienzusammenkunft, zu der auch Paz‘ Geschwister, Tanten und Onkel samt Anhang aus allen Himmelsrichtungen anreisen, immer im Haus ihrer Mutter statt, das auf dem Gelände eines Country Clubs außerhalb von Buenos Aires liegt.

Alle maßgeblichen Annehmlichkeiten wie Pool und Fußballplatz haben Emil, seine Cousins und Cousinen dort direkt vor der Nase und dazu die Sicherheit eines geschützten Geländes, auf dem sich die Kinder frei bewegen können. Natürlich wird dort auch dem argentinischen Nationalsport Polo gefrönt, der Platz liegt ebenfalls in Sichtweite des Hauses, in dem Paz aufgewachsen ist. Für sie bedeutet seit ihrer Kindheit Weihnachten sehr viel Familie, sehr viel Trubel und sehr viel Essen – vor allem sehr viel Fleisch. Weihnachten in Argentinien ist Barbecue-Zeit: Große Tafeln werden im Garten aufgebaut, jeder bringt etwas zu essen mit und es wird trotz der Hitze ausgiebig geschlemmt bis zur Bescherung um Mitternacht. Was für ein Fest!

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Kiloweise Kekse und ein Stall voller Leute: Marina, Matthias, Clara (12), Luise (6), und Artur (20 Monate)

Matthias hat wohl stets den richtigen Riecher – schon bevor Kinder in sein Leben traten, erwarb er den damals als Teil einer Ruinenlandschaft brachliegenden ehemaligen Pferdestall, der heute für die inzwischen fünfköpfige Familie ein großzügiges und stimmungsvolles Zuhause ist. Dass er mit Marina dazu die richtige Gefährtin an seiner Seite hat, die diesen besonderen Raum mit Leben, Liebe und vor allem viel Leckerem zu füllen weiß, muss er geahnt haben. Beide leben seit ihrer Geburt in der Stadt und so sind nicht nur die beiden Großelternpaare stets zur Stelle, wenn es Familienfeste zu feiern gilt, sondern auch ein gigantischer Freundeskreis, der sich aus allen Lebensphasen des geselligen Paares speist.

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Heiligabend wird ganz traditionell mit Omas und Opas, riesigem Weihnachtsbaum, Geschenkeflut und Festessen begangen, aber ihr Zuhause bietet längst nicht nur dem engsten Familienkreis eine festliche Kulisse. Selbst die zwölfjährige Clara kennt es kaum anders, als dass jedes Jahr am ersten Advent die Weihnachtszeit mit einer großen Freundesfeier eingeläutet wird. Ein Riesenspaß für die ganze Familie. Clara und Luise erzählen begeistert davon, wie gut und gerne 40 Erwachsene plus unzählige Kinder dann den 95 Quadratmeter großen Wohnraum bevölkern und sich durch die Keksvielfalt naschen, die Marina aus dem Ofen zaubert.

Ungelogen wochenlang backt sie also alljährlich wahrlich Köstliches immer dabei: Buttergebackenes, Sandspritzen, Lemoncurdterrassen, Linzer Kolatschen und Heidesand nach dem Rezept von Marinas Oma, an dem sie fünf Jahre gefeilt hat, bis es endlich so schmeckte wie in ihrer Kindheitserinnerung. Einen gewissen Perfektionismus dabei leugnet Marina gar nicht und ihr Hang zur Symmetrie – sehenswert die Bleche mit perfekt in Reih und Glied aufgereihten Backwerken – gibt zwar manchen Anlass zu Frotzeleien ihrer Familie, verrät aber sofort jeden Keksdieb.

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Kleine und große Teigdiebe sind auch bei unserem Fototermin stets zugegen, nicht nur Arthur stopft sich vermeintlich heimlich den Keksrohstoff in den Mund ... So backt Marina eigentlich lieber alleine, wenn die Kinder schlafen oder außer Haus sind. Aber mindestens eine große gemeinsame Familienbackaktion steht jedes Jahr auf dem Vorweihnachtsprogramm.

Hier kommt ihr zu Marinas leckeren Plätzchenrezepten!

 

Geschmücktes Grün und eine Lichtgestalt: Helena, Hannes, Joshua (5) und Tilda (2)

Wie und wo sie die Feiertage verbringen, entscheidet sich immer relativ kurzfristig – mal kommen Hannes Eltern aus Hamburg angereist, mal geht es zu Helenas Familie und Freunden nach Schweden oder wie dieses Weihnachtsfest ins Ferienhaus an die Ostsee. Was aber jedes Jahr auf dem vorweihnachtlichen Programm der vierköpfigen Familie steht, setzt die Rituale fort, die Helena und Hannes aus ihrer Kindheit kennen. Wie sein Vater früher mit ihm bindet Hannes gemeinsam mit Joshua einen großen Adventskranz, der dann in der Wohnküche aufgehängt wird. Kein Schnickschnack, ganz traditionell in Grün und Rot, aber mit einem kleinen Trick, den uns der studierte Produktdesigner verrät: Gaffa-Tape an den Stellen um den Kranz gewickelt, an dem die Bänder zum Aufhängen und die Kerzen angebracht werden, erhöht nachhaltig die Standfestigkeit der Kerzen.

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Noch wesentlich mehr Aufwand betreibt Helena mit den Kindern in der Vorweihnachtszeit. Sie hat eine Regel aus ihrer eigenen schwedischen Kindheit tief verinnerlicht: Alles, was an den Baum gehängt und was von den Kindern an Familienmitglieder verschenkt wird, muss selbst gemacht sein. Kein Wunder, dass sie ein schier unerschöpflicher Quell großartiger Bastelideen ist – ob Weihnachtskarten, die aus Hand- und Fußabdrücken der Kinder entstehen, mit Nelken gespickte Orangen, die ins Fenster gehängt werden, Zuckerstangen-Imitate aus Holzperlen oder mit Süßigkeiten gefüllte Knallbonbons als Baumschmuck – Helena bastelt gerne und viel mit ihren Kindern und freut sich schon darauf, wenn Joshua und Tilda ein bisschen älter sind, deren ganze Freundesschar zu großen Advents-DIY-Runden einzuladen.

An diese Bastelnachmittage ihrer Kindheit hat sie sentimentale Erinnerungen, dabei spielen auch die Klänge und Gerüche eine wichtige Rolle. Für Helena muss es nicht nur nach Weihnachten aussehen, sondern vor allem riechen – Orangen, Nelken, frisches Kranzgrün, Lebkuchen und weiteres Weihnachtsgebäck – diese Düfte erfüllen sie mit festlichen Gefühlen ebenso wie der Lucia-Song, den sie uns beim Shooting vorspielt.

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Auch an dieser schwedischen Tradition des Luciafests hält sie mit ihren Kindern fest – am 13. Dezember wird das Lichterfest im weißen Gewand mit rotem Samtband um den Bauch und Kerzenkranz auf dem Kopf als Lucia verkleidet gefeiert. Die schönste schwedische Tradition für die Kinder aber ist das julgransplundring am St. Knuts-Tag. Am 13. Januar endet damit die Weihnachtszeit, wenn alle Süßigkeiten vom Baum geplündert werden dürfen.

Zu den tollen Bastelideen von Helena gelangt ihr hier!

 

Foto: Silke Weinsheimer, Text: Anja Ihlenfeld

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