Modemärchen und Mutmach-Geschichten

Schneewittchen, Aschenputtel, Dornröschen, der Froschkönig, Rapunzel, Sterntaler, Hänsel und Gretel – all diese Grimmschen Märchenfiguren tauchen in unserer Herbstmodestrecke auf. Doch warum sind diese Märchenfiguren und ihre teils grausamen Geschichten so wichtig für unsere Kinder?

Kinder_Maerchenmode_HIMBEER_Magazin_Schneewittchen©Kerstin_Jacobsen

1. Schneewittchen © Kerstin Jacobsen

Kinder_Maerchenmode_HIMBEER_Magazin_Haensel_und_Gretel©Kerstin_Jacobsen

2. Hänsel und Gretel © Kerstin Jacobsen

Kinder_Maerchenmode_HIMBEER_Magazin_Froschkoenig©Kerstin_Jacobsen

3. Froschkönig © Kerstin Jacobsen

Kinder_Maerchenmode_HIMBEER_Magazin_Aschenputtel©Kerstin_Jacobsen

4. Aschenputtel © Kerstin Jacobsen

Kinder_Maerchenmode_HIMBEER_Magazin_Sterntaler©Kerstin_Jacobsen

5. Sterntaler © Kerstin Jacobsen

Kinder_Maerchenmode_HIMBEER_Magazin_Rotkaeppchen©Kerstin_Jacobsen

6. Rotkäppchen und der Wolf © Kerstin Jacobsen

Kinder_Maerchenmode_HIMBEER_Magazin_Rapunzel©Kerstin_Jacobsen

7. Rapunzel © Kerstin Jacobsen

Kinder_Maerchenmode_HIMBEER_Magazin_Dornroeschen©Kerstin_Jacobsen

8. Dornröschen © Kerstin Jacobsen

Kinder_Maerchenmode_HIMBEER_Magazin_Coverl©Kerstin_Jacobsen

9. Tolle Fotostrecke inszeniert von Kerstin Jacobsen und Viola B. Haderlein: Modemärchen. Frieda, Marlene und June als Märchen-Cover-Girls. © Kerstin Jacobsen

MODEMÄRCHEN
BILD 1: Amélie (als Schneewittchen vorne): Jacke (als Haare): Guess, Kleid mit Birkenprint: tinycottons, (www.babyssimo.de), Strumpfhose: H&M, Schuhe: Start-Rite (www.smallable.com) Apfelkissen: oeuf (www.babyssimo.de7 Zwerge (v.l.n.r.): Jasper: Mütze: Bench, Sweater mit Pinienprint: tinycottons, (www.babyssimo.de), Hose: Finkid, 2. Frieda: Mütze: Bench, Sweater: Bobo Choses (www.babyssimo.de), Hose: name it, 3. Johnny: Mütze: tinycottons (www.babyssimo.de) Hoodie: name It, Hose: little pieces, 4. Marlene: Mütze: name it, Hoodie: Bench, Hose: Finkid, 5. Marketta (vor der Bank) Mütze: Finkid, Pullover: Guess, Hose: il gufo, Schuhe: Veja, 6. June: Mütze: Maiami, Sweater: Bobo choses (www.babyssimo.de), Hose: Bench, 7. Elsa: Mütze: Bench, Hoodie-Kleid: WE, Hose: Mini Rodini (www.babyssimo.de)

BILD 2: Amélie (Gretel): Rock mit Katzenmotiv: Morley (www.smallable.com), Katzen-Leggings: Billieblush (www.smallable.com), Holzkamera: Fanny & Alexander (www.babyssimo.de), Rucksack: BlaFre (www.nordliebe.com), Johnny (Hänsel): Streifenpullover: Little Pieces, Jeans mit Hosenträgern: WE, Mütze: CTH Mini (www.nordliebe.com), Rucksack: BlaFre (www.nordliebe.com)

BILD 3: Marlene (Prinzessin): Jacke und Kleid: il gufo, Strumpfhose (umgedreht): H&M, Strickkrone: oeuf (www.smallable.com), Glitzerstiefeletten: Manuela de Juan (www.smallable.com), Elsa
(Froschkönig): Sweater: Mini Rodini (www.babyssimo.de), Hose: Finger in the Nose (www.babyssimo.de), Mütze und Loopschal: Finkid, Strumpfhose und Socken: H&M, Schuhe: Palladium,
Goldener Ball/Fußball: adidas (mit Goldlack besprüht)

BILD 4: Marlene (Aschenputtel, vorne): Kleid: Finger In The Nose (www.babyssimo.de), Jeans: name it, Sneakers: Palladium, Frieda (Stiefschwester, links): Fleecejacke: il gufo, Bluse: Louis
& Louise (www.smallable.com) Rock: Guess Leo-Leggings: H&M, Schuhe: Converse, June (Stiefschwester, rechts): Mantel: Chloé (www.smallable.com), Rüschenbluse: il gufo, Rock rosa:
il gufo, Jogginghose: Uniqlo, Glitzerstiefeletten: Manuela de Juan (www.smallable.com)

BILD 5: Amélie (Sterntaler): Tüllkleid mit Sternchen: Stella McCartney Kids (www.smallable.com), Ballerinas: Start-Rite (www.smallable.com), Socken: H&M

BILD 6: Marlene (Wolf): Jacke: Bench, Shirt mit Wolfsprint: Blune (www.smallable.com), Jogginghose: Uniqlo, Wolfsschwanz: oeuf (www.smallable.com), Kniestrümpfe: Falke, Elsa (Rotkäppchen):
Jacke: il gufo, Pullover: WE, Rock: WE, Jeans: Mini Rodini (www.babyssimo.de), Kappe: New Era, Schuhe: Doc Martens, Korbinhalt: Thermoskanne: BlaFre (www.nordliebe.com)

BILD 7: June (Rapunzel): T-Shirt: Soft Gallery (www.babyssimo.de), Rock: il gufo, Jogginghose: Uniqlo, Schal als Zopf getragen: Maiami, Glitzerstiefeletten: Manuela de Juan (www.smallable.com),
Johnny (Prinz): Hemd mit Sternenprint: WE, Weste: name it, Hose: Guess, Krone: oeuf (www.babyssimo.de), Stiefeletten: il gufo

BILD 8: Marlene (Prinz): Anzug und Hemd: Guess, Schuhe: Converse, Frieda (Dornröschen): Kleid: il gufo, Strumpfhose: H&M, Schuhe: Doc Martens, Holzvogel: Lucie Kaas (www.nordliebe.com),
Apfelkissen: oeuf (www.babyssimo.de)

BILD 9: Cover-Girls: Frieda (links): Kleid SIMPLE KIDS (www.smallable.com)

Wir bedanken uns ganz herzlich für die Zusammenarbeit mit allen Models und adidas, Bench, Converse, Doc Martens, Falke, Finkid, Guess, H&M, il gufo, Little Pieces, Maiami, name it, New Era, Palladium, Reima, Uniqlo, Véja, WE und den Online-Shops: www.babyssimo.de, www.nordliebe.com und www.smallable.com

Foto: Kerstin Jacobsen/ARTISTS & CO, Styling: Viola B. Haderlein, Hair and Make-Up: Natalia Vermeer/Blossom Management

 

MUTMACHGESCHICHTEN
Mord und Totschlag, Heimtücke und Niedertracht, Lügen und Betrügen, Frauen, die ihre Stiefkinder misshandeln, im Wald aussetzen oder gar töten, wilde Tiere, die Kinder und Großmütter lebendigen Leibes verschlingen – klingt eigentlich nicht nach dem richtigen Stoff für Gute-Nacht-Geschichten und doch sind Märchen aus unseren Kinderzimmern nicht wegzudenken. Warum eigentlich?

Es ist dunkel, draußen rauscht ein Herbststurm um die Häuser, Regentropfen prasseln gegen die Fenster, wir kuscheln uns in die Kissen – Vorlesezeit. Im Regal stehen etliche Märchenbücher, große, kleine, Pixis, exzellent illustrierte Bände wie die von Nikolaus Heidelbach, alte Bücher aus unseren eigenen Kindertagen und das große Diogenes-Märchenbuch, das wir einst zur Geburt unserer Ältesten geschenkt bekommen und aus dem wir seitdem unzählige Male vorgelesen haben. Ein wenig zerfleddert ist es inzwischen, liegt schwer auf dem Schoß und versammelt Märchen aus ganz Europa. Auch die Grimmschen Klassiker von Aschenputtel bis Schneewittchen finden sich darin. Jacob

Ursprünglich aus literaturwissenschaftlichem Interesse als Volksmärchen gesammelt, um sie davor zu bewahren, in Vergessenheit zu geraten, stellten die Brüder Grimm bald fest, wie beliebt die Märchen bei Kindern waren. Nun wollten sie mit ihrer Sammlung von rund 210 Kinder-und Hausmärchen, die sie in mehreren Ausgaben zwischen 1812 und 1858 veröffentlichten, ein Erziehungsbuch schaffen. Sie strichen oder glätteten nicht Kindgerechtes und fügten einen Werte- und Tugendkanon hinzu. Fortan dichteten sie manchen Erzählungen auch ein glückliches Ende hinzu, wie sich am Beispiel von Rotkäppchen zeigt. In der älteren französischen Version von Charles Perrault „Le Petit Chaperon rouge“ frisst der böse Wolf das Mädchen und damit endet die Geschichte. In der Grimmschen Version schneidet der Jäger Rotkäppchen und die Großmutter aus dem Bauch des Wolfes und beide überleben.

Nachdem die deutschen Volksmärchen nach dem Zweiten Weltkrieg bei den Alliierten und der 68er-Generation als „schwarze Pädagogik“ und „Instrumente bürgerlicher Repression“ in Misskredit gerieten, arbeitete vor allem der Kinderpsychologe Bruno Bettelheim in seinem 1976 publizierten Buch „Kinder brauchen Märchen“ ihre Bedeutung für die Entwicklung von Kindern heraus. Dabei hilft die Struktur der immer gleich aufgebauten Grimmschen Märchen, die gleich zu Beginn in Gut und Böse aufteilen und am Ende die Guten gewinnen und die Bösen verlieren lassen. Deren Schicksal ist oft brutal – ob der Wolf, den Bauch mit Steinen gefüllt, jämmerlich im Brunnen ertrinkt, die Hexe im Ofen verbrennt oder Schneewittchens böse Stiefmutter so lange in glühenden Schuhen tanzen muss, bis sie tot umfällt – die kleinen Leser nehmen diese Grausamkeiten nicht so drastisch wahr wie Erwachsene. Vielmehr sehen Kinder eine ausgleichende Gerechtigkeit in den Geschichten, wenn der Übeltäter besiegt wird und identifizieren sich vor allem mit der menschlich dargestellten guten Hauptfigur.

Das typische „Märchenalter“ beginnt mit etwa drei Jahren, wenn Kinder sich die Welt noch nicht naturwissenschaftlich oder technisch erklären können, sondern an magische Kräfte, Wesen und Ereignisse glauben. Die Fantasie der Kinder wird beflügelt durch eine Märchenwelt, in der alles möglich scheint. Tische, die sich von selber decken, Stiefel, mit denen man Siebenmeilenschritte machen kann, Goldstücke, die vom Himmel regnen, Prinzessinnen, die aus hundertjährigem Schlaf wachgeküsst werden oder Frösche, die sich in Prinzen verwandeln – im Märchen können Wunder geschehen. Ausweglose Situationen gibt es nicht – auch wenn Rotkäppchen bereits vom Wolf verschlungen wurde, wird sie gerettet.

Aber Märchen vermitteln nicht nur die für Kinder so wichtige Unterscheidung zwischen Gut und Böse. Die Botschaft der Märchenhelden von den Bremer Stadtmusikanten bis zum Tapferen Schneiderlein lautet darüber hinaus, auf seine eigenen Fähigkeiten und Stärke zu vertrauen. Die sieben Zwerge, die Schneewittchen retten oder die Tauben, die Aschenputtel beim Linsenauflesen helfen, vermitteln Kindern, dass sie nicht alleine dastehen. Kinder beschäftigt „das Böse“ – in Form innerer Ängste, vor dem Verlassenwerden oder dem plötzlichen Auftauchen böser Mächte. Diese Ängste zu überwinden, gelingt noch nicht durch rationales Denken oder vernünftige Argumente. Im Märchen aber dienen boshafte Zwerge, hinterhältige Hexen und böse Wölfe dazu, dass schon ganz kleine Kinder ihre Ängste darauf projizieren können. Im Märchen wird das Böse letztlich immer besiegt, nicht nur Bettelheim bezeichnet sie daher als wichtige Stabilisatoren der kindlichen Psyche. „Märchen sind Mutmachgeschichten“.

Doch ganz abseits der Bewältigung von Ängsten und aktuellen Problemen sind Märchenstunden in einer gemütlichen Atmosphäre, an liebe Menschen gekuschelt, ein wertvolles Erlebnis für Kinder. Und so holen auch wir immer wieder unser dickes Buch hervor und lesen gerne von verirrten Kindern, gierigen Fischersfrauen, hochmütigen Prinzessinnen, bösartigen Stiefmüttern und verfressenen Wölfen.

Hinterlasse einen Kommentar

*Pflichtfeld

Empfehlungen