Geburtstag – So ein Zirkus!

TITEL Es soll der schönste Tag des Jahres werden – damit das auch gelingt, hat sich unser Autor Christoph Bauer in die bunte Welt der Kindergeburtstage begeben und dabei Artistisches zu Tage gefördert. Langeweile ist da mit Sicherheit ausgeschlossen.

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Kunstvolle Gesichtsbemalung erfreut die Gäste. Foto: Dominik Butzmann

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Beim Tellerdrehen üben alle Kinder an einer gemeinsamen Nummer. Foto: Dominik Butzmann

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Bei der Löwennummer ist der Beifall garantiert. Foto: Dominik Butzmann

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Kinderleichte Zauberei begeistert auch die Eltern. Foto: Dominik Butzmann

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Mit viel Spaß glänzen hier alle Kinder als Akrobaten. Foto: Dominik Butzmann

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Applaus! Foto: Dominik Butzmann

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Der Geburtstagskuchen darf nicht fehlen und bringt alle an einen Tisch. Foto: Dominik Butzmann

KINDERGEBURTSTAGE KÖNNEN ECHT NERVENAUFREIBEND SEIN; WIE NICHT NUR UNSER AUTOR CHRISTOPH BAUER ZU BERICHTEN WEISS. Ob reine Mädchenbande, wilde Jungshorde oder buntgemischte Truppe – das Programm will gut ausgetüftelt sein, um weder Langeweile bei den Gästen noch Tränen beim Geburtstagskind aufkommen zu lassen – und vor allem, um Wohnung oder Haus vor den schlimmsten Verwüstungen zu bewahren. Wir haben diesmal einen Zirkus-Geburtstag gefeiert und festgestellt: Zirkus ist das perfekte Motto, um die unterschiedlichsten Kinder unter einen Hut zu kriegen – Kleine Geschwister wie große Cousins, Prinzessin mit Glitzerfaible wie messerwerfenden Wildfang. Manege auf!

Es gibt Ereignisse und Verpflichtungen, die lange vor ihrem konkreten Eintreten, ja schon während des ersten gedanklichen Vorspiels nervöses Augenzucken, Fluchtinstinkte und  Panikattacken auslösen können. Bei mir sind das unter anderem Zahnarztbesuche, Steuererklärungen und Kindergeburtstage. Mein ambivalentes Verhältnis zu Kindergeburtstagen besteht erst seit ich vor einigen Jahren alleine den vierten Geburtstag meiner „Großen“ ausrichten musste. Zum ersten Mal war ich in den eigenen vier Wänden der entfesselten Energie einer sechsköpfigen, anarchischen Kinderhorde ausgesetzt.

Alles ist bestens vorbereitet. Kuchen, Schokoküsse, Würstchen und Kartoffelsalat, sind aufgetischt. Das Entertainment-Programm ist vorbereitet. Kleine Papiertütchen, die mit Süßigkeiten, Stickern und Pferdetattoos gefüllt und mit den Namen der kleinen Gäste versehen wurden, stehen als Abschiedsgeschenke bereit.

Der Prosecco für die Eltern ist kalt gestellt. Sechs kleinen Mädchen und einem aufgedrehten, seit den Morgenstunden völlig überzuckerten Geburtstagskind werde ich einen fantastischen Nachmittag bescheren. Dass meine Frau ausgerechnet heute zu einer Fortbildung verreisen musste, gibt mir die einmalige Gelegenheit, meine väterlichen Qualitäten uneingeschränkt zur Geltung zur bringen.

Vier Stunden Kindergeburtstag, ein Kinderspiel. Mein kulinarisches Angebot findet großen Anklang und noch bevor die verspätete Luise ihre Gummistiefel in die Ecke gefeuert hat, haben sich bereits alle Schokoküsse in Luft aufgelöst. Dass sich die Bodenwaffeln hervorragend in Bücherregale und unter Kopfkissen kleben lassen, ist mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst. Sehr schnell muss ich jedoch feststellen, dass meine Vorstellung, wie dieser Kindergeburtstag abzulaufen hat, hier niemanden interessiert.

Meine  Bemühungen, diese Rasselbande für Unterhaltungsklassiker wie Topfschlagen oder Ballontanz zu begeistern, laufen bereits nach wenigen Minuten ins Leere. Meine Versuche, als wild lächelnder Partyanimateur meinen mühsam erarbeiteten Partyablaufplan umzusetzen, werden besonders von der später kommenden Luise sabotiert, die sich nach kürzester Zeit als herrisches Alphatier entpuppt. Mit verschränkten Armen und hochgezogenen Augenbraun trotzt sie mir entgegen „Wir wollen aber nicht Ballontanzen, weil das nämlich voll blöd ist. Und außerdem wollen wir viel lieber spielen!“. Kein Respekt vor dem Alter, keine Anerkennung meiner organisatorischen Fähigkeiten, keine Rücksicht auf innenarchitektonische Ordnungsprinzipien.

Während ich versuche, meine Resignation mit dem, für die Abholeltern kaltgestellten, Prosecco zu lindern, tobt sich das entfesselte Rudel durch ein immer größer werdendes Chaos. Nachdem alle Regale leer geräumt sind und sich die bunte Melange aus Puppenutensilien, Legosteinen, Stofftieren und Kinderbüchern flächendeckend in Kinder- und Wohnzimmer ausgebreitet hat, wird die Verkleidungskiste unter dem Bett in Angriff genommen.

Das karnevaleske Treiben mündet schließlich darin, dass sich alle Kinder gegenseitig mit Filzstiften die Gesichter bemalen.  Ich beschränke meinen Einsatz auf die gelegentliche Behandlung von kleinen Blessuren. Mit Kühlpacks, bunten Pflastern und jeder Menge Gummibärchen versuche ich die Illusion aufrecht zu erhalten, die Sache hier einigermaßen im Griff zu haben.

Dass ich meine Aufsichtspflicht trotzdem sträflich verletzt habe, wird mir erst klar, als ich bemerke, dass bei dieser wunderbaren Schminkorgie auch schwarzer Edding zum Einsatz gekommen ist. Die wasserfesten Krickeleien in den Kindergesichtern zeigen eine ähnliche Hartnäckigkeit wie die gleichermaßen unattraktiven Tags auf der Toilettentür meiner Lieblingskneipe. Die Freundinnen meiner Tochter werden für mehr als eine Woche die Spuren dieser Geburtstagsparty im Gesicht tragen. Meine KITA-Garderobengespräche mit den Eltern reduzieren sich in der darauf folgenden Zeit auf sehr knapp gehaltene Begrüßungsfloskeln.

Wir feiern seit diesem Ereignis alle Geburtstage unserer Töchter im Freien. Der Park ist nur ein paar wenige Schritte entfernt und es müssten schon sintflutartige Regenfälle vom Himmel fallen, bevor ich mich zu einem weiteren geburtstäglichen Indoorevent hinreißen lasse.

Die wenigen Geburtstage, die ich aus meiner Kindheit in Erinnerung behalten habe, spielten sich fast ausschließlich im Freien ab. Obwohl, so ganz stimmt das auch nicht. Bei meinen Freunden gab es zwei Lager: Die urbanen Mainstreamer und die Outdoorabenteurer. Für meinen besten Freund Oliver gab es über Jahre nur eine mögliche Art seinen Geburtstag zu begehen: Kino und McDonalds (urbaner Mainstreamer). Es begann mit Räuber Hotzenplotz und Cheeseburgern und endete schließlich mit Krieg der Sterne und Big Mac-Menüs.

Mein Freund Christian dagegen war bei den „Pfadis“ (Outdoorabenteurer). Er beherrschte über zwanzig verschiedene Knoten, konnte aus Mülltüten beeindruckende Zelte konstruieren und an seinem achten Geburtstag zeigte er mir, wie man einer Forelle den Angelhaken aus dem Gaumen dreht, wie man ihr mit nur einem Knüppelschlag das Lebenslicht auspustet und wo genau man das Messer ansetzt, um sie aufzuschlitzen und auszunehmen.

Holzstöcke, Schnüre, Messer und Feuer, mehr braucht es nicht, um einer Gruppe von Jungs ein einschneidendes Geburtstagsabenteuer zu bescheren. Meine Töchter konnte ich mit solchen Geburtstagserinnerungen bisher nur wenig beeindrucken. Wären Pferde mit im Spiel gewesen, hätten wir damals am Lagerfeuer eine Choreographie zu ABBA-Klängen einstudiert oder wäre zumindest irgendein cooles Mädchen mit am Start gewesen, dann sähe die Sache schon ganz anders aus.

Dass meine Töchter an ihren Geburtstagen keine Fische aufschlitzen und ausnehmen wollen, ertrage ich mit souveräner Gelassenheit. Und würden sie sich bei solchen Festivitäten nun ausschließlich pinken Prinzessinnenphantasien hingeben oder mit ihren Freundinnen zu „Mammamia“ tanzen, alles wäre gut.

Doch plötzlich tut sich ein ganz neues Problem auf. Jungs! Es werden plötzlich Jungs eingeladen! Wie soll das denn zusammen gehen? Ein erster Anlauf ging bereits gewaltig in die Hose: Ein Geburtstagsfest, sechs Mädchen zwischen 8 und 10 Jahren und drei Jungs zwischen 8 und 10 Jahren. Und das Resultat: Black-Out, Kontrollverlust, soziale Überforderung, Gruppenbildung, kichernde Gören, grenzdebile Gorillababys.

Selbst meine inzwischen obligatorische Schnitzeljagd, die nun wirklich Jungs wie Mädchen begeistern sollte, konnte die sich hier manifestierende Überforderung im Umgang mit dem anderen Geschlecht nicht überwinden. Vielleicht sollte ich mir professionelle Hilfe bestellen. Bei meiner Internetrecherche lande ich unter anderem bei einem Zauberer im Pensionärsalter, der mit Zylinder und schwarzem Umhang wie ein Relikt aus grauer Vorzeit erscheint.

Ein professioneller Kindergeburtstagsveranstalter will mir 750 Euro abknüpfen, es stehen Lilly-Fee- und Prinzessinnen-Party zur Auswahl, Piraten und Feuerwehr. Sowohl der Preis, als auch das Foto der Geschäftsführerin machen mir ein wenig Angst. Dass es auch anders geht, beweisen z.B. Lucia, Tanja und Paolo mit Ihrer „Wunschkiste“. Sie sind Schauspieler und Theaterpädagogen und haben sich vor einigen Jahren in einem Stuttgarter Kinderzirkusprojekt kennen gelernt.

Dass man mit dem Thema Zirkus sowohl Jungs als auch Mädchen begeistern kann, das leuchtet auch mir sofort ein. In Ihrer Wunschkiste transportieren die drei Künstler alles, was es für den Einstieg in eine steile Zirkuskarriere braucht: Kostüme, Schminke, Bälle, Reifen, Teller, Tücher und vieles mehr. Was man mit diesem bunten Allerlei so alles anstellen kann, das bekommen die Geburtstagsgäste zunächst in einer kleinen Zirkusshow präsentiert. Zaubern, Jonglieren, Bodenakrobatik, Clownerie und Fakirnummern sorgen für offene Münder, euphorischen Applaus und große Ambitionen, all das selber zu lernen.

Die nächsten Stunden werden sie in die Zirkusschule gehen und gemeinsam mit den Profis ein kleines Programm einstudieren, das sie, zum krönenden Abschluss des Tages, den stolzen Eltern präsentieren können. Während man in der realen Zirkuswelt ohne eiserne Disziplin kaum etwas erreichen kann, geht es hier in erster Linie um den Spaß. „Mit Spaß kann man auch ganz viele Situationen retten“ erzählt Lucia. „Zwischendrin richtig Quatsch machen, damit kann man die Kinder wieder konzentrieren“. Ganz ohne Konzentration geht es aber nicht, denn schließlich will man ja etwas erreichen. „Wir möchten, dass die Kinder ein bisschen über sich hinaus wachsen“, so die Theaterpädagogin Lucia. Und dabei gilt es auch, Ängste zu überwinden. Dies ist nur zu erreichen, wenn man sich der Kinder intensiv annehmen kann.

Deswegen sagt Lucia auch ganz klar: „Mehr Kinder – mehr Zirkuspersonal“ und das kostet dann eben ein bisschen mehr. Aber wenn ich mir ansehe, was die Truppe so zu bieten hat, mit welchem Herzblut sie bei der Sache sind, dann versöhnt mich das mit der Welt der professionellen Kindergeburtstagsmacher.

Jeder Junge, jedes Mädchen wird in dieser kleinen Zirkuswelt, seine Rolle finden. Und ich auch. Ich werde mich mit Hingabe um das erwachsene Publikum kümmern, es mit Knabbereien und italienischem Schaumwein versorgen und den einen oder anderen spitzen Kommentar über die Inanspruchnahme professioneller Kindergeburtsdienstleiter mit freundlicher Gelassenheit überhören.

Text: Christoph Bauer

Unser Dank geht an den Kinder- und Jugendzirkus Cabuwazi in Berlin-Treptow, wo wir unseren Zirkus-Geburtstag für das Fotoshooting feiern durften. Man kann das Zelt regulär nicht für Feiern mieten, aber ganz fantastische Zirkusvorstellungen dort erleben, www.cabuwazi.de. Und wir danken dem „Die Wunschkiste“-Team Lucia, Tanja und Paolo, die mit ihrer tollen Art und Ideen unsere Kinder und uns begeistert haben! Danke!

Wie und wo man in Berlin noch überall Kindergeburtstage feiern kann, lest ihr hier.

Und wo es in München tolle Angebote für Kindergeburtstage gibt, könnt ihr hier nachlesen.

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