Chaos im Kinderzimmer

TITELGESCHICHTE – Wie sieht es bei euch aus? Lässt euch das Aufräum-Thema kalt oder ist es steter Anlass zum Zanken? Tragen eure Kinder dieselben Chaos-Gene in sich wie ihr oder fällt es euch allen leicht, Ordnung zu halten? Wir haben drei Familien in ihren im Originalzustand befindlichen Kinderzimmern besucht und waren erleichtert, dass es auch woanders nicht immer perfekt ausschaut...

HIMBEER Magazin für Leute mit Kindern Titelgeschichte: Chaos im Kinderzimmer

Rosa, 8 Jahre © Ailine Liefeld, ailineliefeld.com

HIMBEER Magazin für Leute mit Kindern Titelgeschichte: Chaos im Kinderzimmer

Rosa, 8 Jahre © Ailine Liefeld, ailineliefeld.com

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Rosa, 8 Jahre © Ailine Liefeld, ailineliefeld.com

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Jannis, 7 Jahre, Anna und Finn, 5 Jahre © Ailine Liefeld, ailineliefeld.com

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Finn, 5 Jahre © Ailine Liefeld, ailineliefeld.com

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Anna, 5 Jahre © Ailine Liefeld, ailineliefeld.com

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Finn, 5 Jahre © Ailine Liefeld, ailineliefeld.com

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Anna, 5 Jahre © Ailine Liefeld, ailineliefeld.com

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Lio, 8 Jahre und Lilou, 3 Jahre © Ailine Liefeld, ailineliefeld.com

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Lilou, 3 Jahre © Ailine Liefeld, ailineliefeld.com

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Nono, 6 Jahre und Lilou, 3 Jahre © Ailine Liefeld, ailineliefeld.com

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Lio, 8 Jahre, Nono, 6 Jahre und Lilou, 3 Jahre © Ailine Liefeld, ailineliefeld.com

"Die kindgerechte Wohnung ist dreckig und sieht Sch... aus!“ dieser Satz von Kester Schlenz aus seinem Buch Mensch, Papa! ist über die Jahre zum geflügelten Wort bei uns geworden und fällt regelmäßig, wenn wir mal wieder daran scheitern, eine gewisse Grundordnung mit Hilfe unserer Kinder einzuhalten. Das Buch hatte mein Mann während unserer ersten Schwangerschaft vor gut 15 Jahren geschenkt bekommen, eines der ersten Väterbücher überhaupt mit manchem so wahren wie unterhaltsamen Wort, das einen aber in keinster Weise darauf vorbereitet, in welchem Chaos man mit Kindern landet, wenn man sich nicht permanent dagegen stemmt...

Es soll zwar auch Familien geben, in denen das Aufräumthema völlig harmonisch keine große Rolle spielt, bei der überwiegenden Mehrheit der von uns dazu befragten Eltern fallen aber Begriffe wie „Katastrophe!“, „Sisyphosarbeit“, „Dauerbrennerthema“. je nach Alter, Geschlecht und Veranlagung der Kinder hören wir von schmutzstarrenden Socken, die sich überall finden, nur nicht im Wäschekorb, Schranktüren, bei deren Öffnen einem alles entgegenfällt, was zuvor „aufgeräumt“ wurde, schmerzhafte Begegnungen mit kleinen Legosteinen, die gerne nachts irgendwo im Weg rumliegen, Anzieharien, in deren Verlauf nahezu jedes Kleidungsstück anprobiert wird und garantiert nicht zurück in den Kleiderschrank findet, Staubfängersammlungen aus unzähligen Basteleien und Fundstücken der Kinder und ihrem lauten Gemurre und sich ungerecht behandelt fühlen, wenn man sie zum Aufräumen auffordert.

Die drei Familien, die uns den Blick in ihre Kinderzimmer gestattet und unsere Fragen nach ihren Aufräumregeln beantwortet haben, stellen da fast noch moderate Fälle dar. Je mehr Kinder im Haushalt, desto häufiger das Phänomen des unsichtbaren Müllmonster, denn keines der Kinder hat natürlich die Unordnung verursacht... Sollen sie doch in ihrem Chaos versinken, denkt man manches Mal und hält es doch nicht lange aus.

Die Toleranzgrenze mag auch davon abhängen, ob das Kinderzimmer in der Blickachse liegt – wenn jeder Besucher aus dem Wohnzimmer freie Sicht auf Teenager-Müllberge oder Kleinkind-alles-aus-den-Regalen-geräumt-Durcheinander hat, fällt es einem u.U. schwerer, die eigentlich gesunde Grundhaltung „dein Zimmer – deine Verantwortung“ beizubehalten.

So klar es ist, dass man kleineren Kindern beim Aufräumen hilft, so unklar wird es einem, wie man es schafft, ältere Kinder zum selbständigen Aufräumen ohne ellenlange Auseinandersetzungen zu erziehen, wenn Zwang, Strafen oder Belohnungen eigentlich wenig pädagogisch sinnvoll sind.

Schließlich möchte man doch, dass sie zu der Einsicht gelangen, dass Ordnung ihren eigenen Wert hat. Dafür müsste man dann allerdings mit gutem Beispiel vorangehen, konsequent und entspannt bleiben und hoffen, dass steter Tropfen den Stein schon höhlen wird... doch siehe da: Unsere 14-jährige ist heute die Organisierteste von uns und schnappt sich (fast) immer samstags völlig selbständig und aufforderungslos Staubsauger und Putzutensilien und bringt ihr Zimmer auf Vordermann. Es gibt also Hoffnung!

Und das sagen die Familien, die wir besucht haben:

 

NINA und EIKE, Eltern von Rosa
Wie sieht eine typische Aufräumsituation bei euch aus?
In der Regel läuft es folgendermaßen ab: Rosa soll alleine ihr Zimmer aufräumen. So lernt sie Verantwortung für ihre Sa- chen zu übernehmen, selbständig zu sein und in ihrem Leben Ordnung zu halten (so die Theorie). Sie geht also in ihr Zimmer und stellt ein Fillipferd ins Regal. Dann setzt sie sich auf den Boden, denkt kurz nach und fängt an rumzumeckern, erst leise und bedacht, nach zwei Minuten immer lauter werdend. Dann kommt der Moment, wo sie auf einmal die schlimmsten Eltern der Welt hat. Die an allem Schuld sind. Vor allem für die Unordnung in ihrem Zimmer. Die Welt ist schlecht. Daraufhin gibt es Ärger von Nina. Aber noch mit Handreichung: „Du musst mithelfen, ich mache das nicht alleine“. Rosas Laune ist aber längst gekippt, nicht mehr zu retten. Schockzustand. Beide verlassen nach fünf Minuten schimpfend das Kinderzimmer. Das ist der Auftritt von Eike. Er nutzt die Gelegenheit, geht ins Kinderzimmer und räumt es stoisch auf. So hat er wenigstens seine Ruhe. Nach einer halben Stunde haben sich alle wieder lieb. Dieser Vorgang findet ca. alle 7-10 Tage statt.

Wer von euch fühlt sich wohler in einer aufgeräumten Umgebung und wer ist eher im kreativen Chaos zuhause?
Uns zieht es alle eher zum kreativen Chaos hin. In der Regel wird einmal die Woche die gesamte Wohnung richtig aufgeräumt. Meist einen Tag, bevor unsere Putzfrau kommt. Ohne sie wären wir verloren.

Hat Rosa viele Sachen oder sortiert ihr regelmäßig aus?
Nina sortiert gefühlt einmal in der Woche aus. Daher fehlen immer Anziehsachen. Das Problem ist aber derzeit eher: Rosa hat genau eine Lieblingshose und zwei Lieblings-T-Shirts. Und die meisten Socken sind zu steif. Das bedeutet, dass sie 90 Prozent der Sachen im Schrank sowieso nicht anzieht. Führt des Öfteren zu morgendlichen Diskussionen.

Was möchtet ihr noch zum Thema sagen?
Macht euch keinen Stress. Kinder werden schnell genug erwachsen.

 

ROSA, 8 Jahre
Bist du gerne in deinem Zimmer, was machst du alles dort?
Ja! Ich male, ich bastele und ich spiele.

Was gefällt dir am besten, was nervt dich an deinem Zimmer?
Meine Kuscheltiere und mein Schreibtisch sind am besten. Mich nervt, dass ich das Fenster nicht aufmachen kann. Papa hat das zugeschraubt, damit ich nicht rausfalle.

Wie oft musst du aufräumen? Welche Regeln gibt es?
Man kann sagen fast jeden Tag. Ohne Regeln.

Gibt es eine Belohnung, wenn du aufräumst?
Nö!

Wer räumt mehr in deinem Zimmer auf, du oder deine Eltern?
Meine Eltern.

Wer ist in eurer Familie am ordentlichsten, wer am unordentlichsten?
Papa ist am ordentlichsten. Mama und ich sind gleich unordentlich.

Welche Spielsachen hast du in deinem Zimmer? Spielst du mit allen oder könnten manche auch aussortiert werden?
Ich spiele mit allem und brauche alles.

Wie sieht es in deinem Kleiderschrank aus?
Meistens sehr unordentlich.

Was wünschst du dir für dein Zimmer?
Endlich mal Fenster aufmachen und eine Werkstatt im Zimmer.

Was möchtest du noch zum Thema Aufräumen sagen?
Dass es doof ist !!

 

JANNIS, 7 Jahre, ANNA und FINN, 5 Jahre
Jannis hat ein eigenes Zimmer, die Zwillinge Anna und Finn teilen sich ein Zimmer.

Wie oft musst du aufräumen?
Anna: Jeden Tag.
Finn: Wir räumen ja fast nie auf...

Welche Regeln gibt es?
Jannis: Regel Nummer 1: Nicht alles in die Kiste schmeissen, damit nichts kaputt geht. Jedes Ding soll an seinen Platz kommen

Gibt es eine Belohnung, wenn du aufräumst?
Dass wir vielleicht TV schauen dürfen oder was Süßes.

Wer räumt mehr in deinem Zimmer auf, du oder deine Eltern?
Finn: Bei mir Mama.
Jannis: Ich räum‘ aber gleich oft auf wie Mama.

Wer ist in eurer Familie am ordentlichsten?
Jannis: Ich bin am ordentlichsten.
Finn: Ich bin am unordentlichsten.
Anna: Ich bin eigentlich beides.

Haben alle Sachen ihren festen Platz? Findest du immer alles?
Finn: Nur, wenn man aufräumt. Jannis: Meine Sachen sind immer am gleichen Platz.

Was wünschst du dir für dein Zimmer?
Jannis: Mehr Regale.

Was möchtest du noch zum Thema Aufräumen sagen?
Jannis: Ich find‘ es nützlich, weil dann kann man wieder auftragen und findet die Sachen besser.

 

HEIKE und FRANK, Eltern von Jannis, Anna und Finn
Welchen Stellenwert hat das Thema Ordnung in eurer Familie?

Einen großen Stellenwert, im Chaos fühlen wir uns weniger wohl.

Habt ihr ein Konzept, wie ihr aufräumt?
Ich glaube, jedes Konzept, ist irgendwann zum Scheitern verurteilt. Das Wichtige ist, dass die Kinder wissen, wohin die Sachen gehören, und natürlich, wem was gehört. Wer super hilft, kriegt auch mal eine Sonderration Gummibärchen. Wir räumen oft zusammen auf. Häufigkeit? Am Abend sollte meistens Ordnung herrschen..

Wie sieht eine typische Aufräumsituation bei euch aus?
Jannis, der Große, räumt sein Zimmer auf, Anna, die Vernünftige, lässt sich überzeugen und Finn tändelt um die Sachen herum, zupft hier und da, aber hilft nicht wirklich...

Tickt ihr als Eltern ähnlich in puncto Ordnung?
Ähnlich. Frank ist schneller und pragmatischer im Aufräumverhalten.

Wie ordentlich wart ihr selbst als Kinder?
Heike: Kann ich nicht mehr genau sagen, aber meine Mutter schimpft immer noch, ich ließe alles herumliegen...

Wo dürfen die Kinder bei euch außerhalb des Kinderzimmers spielen, wer räumt dort auf?
Überall, alle.

Haben die Kinder viele Sachen oder sortiert ihr regelmäßig aus?
Wir sortieren aus.

Was würdet ihr gerne am Kinderzimmer ändern?
Mehr Stauraum.

Was möchtet ihr noch zum Thema Chaos im Kinderzimmer sagen?
Der Kampf dagegen gleich der Aufgabe des Sisyphos...

 

LIO, 8 Jahre, NONO, 6 Jahre und LILOU, 3 Jahre
Lio hat ein eigenes Zimmer, Nono und Lilou teilen sich ein Zimmer

Wie oft musst du aufräumen? Welche Regeln gibt es?
Lio: Ich muss einmal die Woche aufräumen. Es gibt aber keine Regeln in meinem Zimmer.
Nono: Zehnmal in einem Jahr. Einfach alles in eine Ecke.
Lilou: Ja, ich will ganz alleine aufräumen.

Gibt es eine Belohnung, wenn du aufräumst?
Lio: Nein.
Nono: Nicht immer.
Lilou: Ja.

Wer ist in eurer Familie am ordentlichsten?
Lio: Ich bin der Ordentlichste. Am unordentlichsten ist meine Schwester.
Nono: Am ordentlichsten ist Papa. Am unordentlichsten ist Lilou.

Hilfst du bei anderen Aufgaben im Haushalt?
Lio: Ja, manchmal.
Nono: Ein bisschen ja. Tisch decken müssen wir immer. Ich mach‘ das aber ncht so gerne.
Lilou: Ja. ich schneide immer die Gurke.

Wie sortierst du deine Spielsachen?
Lio: In Kisten halt.
Nono: Eigentlich gar nicht.
Lilou: Einfach so... auf Nonos Tisch legen...

Wie sieht es in deinem Kleiderschrank aus? Hast du dort eine bestimmte Ordnung?
Lio: Ja habe ich. Alles hat seinen Platz.
Nono: Es ist gut aufgeräumt.
Lilou: Gut. Da habe ich mein Pippi Langstrumpf Kleid .

Was wünschst du dir für dein Zimmer?
Lio: Eine schwarze Wand mit Weltraumbildern drauf gemalt.
Nono: Ein höheres Bett.
Lilou: Mehr Puzzles.

 

NADINE und LARS, Eltern von Lio, Nono und Lilou
Welchen Stellenwert hat das Thema Ordnung in eurer Familie?

Da Lars und ich beide ziemlich unordentlich sind, ein großes! Aber ich glaube, wir haben beide akzeptiert, dass es eine Herausforderung bleiben wird, und packen oft zusammen an. Dann hören wir laute Musik und räumen mit den Kindern auf – das macht dann eigentlich Spaß. Aber die tägliche Ordnung fällt uns schwer.

Wie sieht eine typische Aufräumsituation bei euch aus?
Lio wird erstmal tausend Mal sagen, wie doof er es findet, dass er sein Zimmer aufräumen muss und wie gemein es ist, dass Eltern einfach immer alles entscheiden dürfen – dann wird er erst mal bei einen Donald-Buch hängen bleiben. Nono und Lilou dagegen sind ziemlich locker... Die essen erstmal im Kaufmannsladen ein Eis, können dann aber auch ziemlich schnell loslegen.

Wie unterscheiden sich die Kinder in ihrem Ordnungssinn?
Lio ist ein echter Sammler – er hat Schätze ohne Ende. Wir haben von jeder Reise unzählige Steine und Stöcke und Muscheln, sogar Schädel mit nach Hause gebracht. Nono ist entspannter – er hat zwar seine Schatztruhen, aber sonst besteht sein Zimmer aus Büchern und Lego. Lego – davon haben wir Körbe voll. Lilou ist ein echtes Mädchen, was die Ordnung angeht und versteckt alles in ihren unzähligen Handtaschen!

Wo landet die dreckige Wäsche der Kinder?
Da haben wir eine strikte Regel: Die Wäsche muss in dem Korb vor der Maschine landen... bis dahin wird nicht vorgelesen abends.

Was würdet ihr gerne am Kinderzimmer ändern?
Die Kinder brauchen mehr Regale und mehr Kisten auf den Regalen. Ich glaube, Kisten und Körbe sind das Geheimnis für ein ordentliches Zimmer – solange alles einen Platz hat, kann es funktionieren.

Was möchtet ihr noch zum Thema Chaos im Kinderzimmer sagen?
Wenn wir unsere Kinder anschauen: Glückliche Kinder ohne Chaos geht nicht.

Text und Interviews: Anja Ihlenfeld, Fotos: Ailine Liefeld, ailineliefeld.com

Expertentipps zum Thema, wie man mit Hilfe von Farbe, Licht und Staumöbeln Ordnung im Kinderzimmer schaffen kann, lest ihr hier.

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