„KINDER KÖNNEN KUNST…“

STADTGESTALTEN München – Die drei Punkte hinter dem Titel des Kinderprogramms der Pinakothek der Moderne (PdM) dokumentieren ganz bewusst, dass sich der Satz auf unterschiedliche Weise vollenden lässt. Diese offene Haltung ist Kernstück des von der Allianz und PIN (Freunde der PdM e.V.) geförderten Projekts, in dem sich Kinder unabhängig ihrer Herkunft fernab von starren Vorgaben und erhobenen Zeigefingern mit Kunst auseinandersetzen.

KKK kl

„Der Bildungsbegriff ist uns ganz wichtig.“, sagt Jochen Meister, Leiter der Kunstvermittlungsabteilung in der PdM. „Doch das hat nichts damit zu tun, dass wir hier kleine Künstler, kleine Kunsthistoriker, kleine Profis aus den Kindern machen wollen.“ In dem seit Mitte September wöchentlich stattfindenden kostenlosen Programm ginge es vielmehr darum, Empathie, Emotion und Fähigkeiten zu fördern, wie etwa eigene Ideen zu verfolgen oder teilen zu können. Ort des kreativen Geschehens ist ein früherer
Ausstellungsraum. Architekten aus Berlin haben dafür eigens Regale mit flexiblen Kisten kreiert, die wahlweise als Hocker, Stauraum für Materialien, Stellfläche oder als Raumabgrenzung zum Einsatz kommen. Und weil eine freundliche Atmosphäre der kreativen Schaffenskraft zuträglich ist, wurde den ursprünglich weißen Kästen aus recyclebarer Kartonage auf einer Colouring-Party dank vieler helfender Hände ein bunter Anstrich verpasst.

Je nach Gruppendynamik stehen bei „Kinder können Kunst…“ um die 36 Plätze zur Verfügung. „Wir werden flexibel reagieren.“, sagt Dorothee Wahl, Vorsitzende von PIN, die bei gutem Zulauf eine weitere Gruppe begrüßen würde. Junge Besucher von fünf bis zwölf Jahren können zwei Stunden an dem Programm teilnehmen, das jede Woche ein anderes Thema fokussiert. „Es gibt keinen konkreten Ablauf.“, erklärt der studierte Kunsthistoriker Jochen Meister. „In der Regel gibt es drei unterschiedliche Stationen, an denen zu einem Thema verschiedene kreative Möglichkeiten angeboten werden.“
Außerdem geben die Betreuer den Kindern eine kleine Führung zu thematisch relevanten Werken – doch diese sollen in erster Linie als Quelle der Inspiration dienen und nicht als Vorbild kopiert werden. Das beabsichtigte Ziel ist, Inhalte der permanenten Ausstellungen spielerisch – mehr oder weniger en passant – zu vermitteln. Je nach Thema geht es also in die Sammlung Moderne Kunst, Die neue Sammlung – The Design Museum oder in Sonderausstellungen des Architekturmuseums und der Graphischen Sammlung. Dem kunstinteressierten Nachwuchs stehen dabei um die fünf Betreuer zur Seite, die aus einem Pool an freien Freelancern stammen, auf den die PDM seit Jahren vertraut. Es kümmern sich laut Jochen Meister ausschließlich Freiberufler um die jungen Teilnehmer, die künstlerisch wie pädagogisch fundiert ausgebildet sind.

Die Allianz wird das Projekt zunächst für ein Jahr als Hauptförderer unterstützen. „Der Allianz ist es wichtig, Menschen an Kunst heranzuführen und sie zu motivieren in die Pinakothek zu gehen.“, sagt Antonella Forte-Wolf, die seitens des Großkonzerns mit dem Programm betraut ist. „Deshalb haben wir vor ein paar Jahren den Blauen Mittwoch – gratis Eintritt in die PdM – finanziert. Dieses neue Projekt „Kinder können Kunst…“ wird das alte Format ersetzen. Allerdings sind dieses Mal die Kinder im Fokus und indirekt ihre Familien.“ Während sie ihre Sprösslinge in kunstpädagogisch wertvoller Betreuung wissen, können Eltern in aller Ruhe durch das Museum schlendern oder eine Führung besuchen. Letztendlich ist angestrebt, das Museum als Ort für die ganze Familie zu etablieren.

„Um die Plattform zunächst zu testen, haben wir dieses Mal beim Kunstareal-Fest zusammen mit der Pinakothek der Moderne eine Kinderbetreuung im LoftCube angeboten.“, erzählt Forte-Wolf. „Zwar war das Wetter zunächst nicht auf unserer Seite, doch mit der Sonne
kamen auch die Kinder und die Betreuerinnen der Pinakothek hatten alle Hände voll zu tun: Sie bastelten mit den kleinen Nachwuchskünstlern futuristische Konstrukte, wie zum Beispiel
Zukunftshäuser und auch die Führungen für die „Kleinen“ sind sehr gut angekommen.“

First come, first serve – nach diesem Prinzip erfolgt die Teilnahme an „Kinder können Kunst…“. Diese Kunstvermittlung ist gewollt offen konzipiert, sprich Eltern melden ihre Kinder vor Ort einfach spontan an. Wer zunächst keinen Platz ergattert, wird auf die Warteliste gesetzt und kann sich währenddessen die Zeit mit den „Entdeckertouren“ – einem neuen attraktiven Angebot der PdM – vertreiben. Dabei bekommen die Kinder ein Mitmachheft gratis ausgehändigt und dann gilt es nach dem Prinzip einer Schnitzeljagd Kunstwerke und Objekte des Museums genauer unter die Lupe zu nehmen: Fragen beantworten, Bilderrätsel lösen und nachzeichnen ist angesagt – das schärft den Blick! Kinder können mit oder ohne ihre Eltern auf die Suche gehen. Dieses Angebot gibt es nicht nur in Deutsch und Englisch, sondern auch in arabischer, spanischer, italienischer und französischer Sprache.

„Wir verstehen uns als lernendes Museum,“ sagt Jochen Meister, „alle unsere Programme arbeiten mit Rückmeldung“. Konkret sieht das so aus, dass Eltern mit ihren Kindern nach der künstlerischen Exkursion ein paar Minuten einen Fragebogen ausfüllen. „Wir haben einen Anspruch und das muss man dann mit den Wünschen balancieren“, so Meister. Auf diese Art und Weise seien auch die Parameter für „Kinder können Kunst…“ festgelegt worden. Denn dieser Treffpunkt wurde nicht komplett neu aus dem Boden gestampft, sondern animierte Kinder bereits in der Vergangenheit – damals allerdings nur einmal im Monat – zum kreativen Schaffen.

Kostenloses Kinderprogramm für Kinder von 5 bis 12 Jahren
Pinakothek der Moderne I Barer Str. 40 I 80333 München
jeden So von 13 bis 17 Uhr, Einstieg jederzeit möglich
www.pinakothek.de

Text: Claudia Jung I Fotos: Philipp Bachhuber, Falk Kagelmacher

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