Freudiges Schaffen

STADTGESTALTEN Berlin – Schon seit 45 Jahren widmt sich der Verein Jugend im Museum e.V. getreu seines Namens dem Ziel, Kinder und Jugendliche über die künstlerische Beschäftigung für Museen und Galerien zu interessieren. Geschäftsführerin Katrin Boemke ist seit fast 20 Jahren dabei, das verzweigte Netzwerk von Kulturschaffenden und -institutionen auszubauen und hat einen wachen Blick für neue zeitgemäße Inhalte und Formate, die Kinder zum Schaffen eigener Werke anregen.

Stadtgestalten | HIMBEER Magazin

© Sibylle Baier

Es ist einer dieser Sommernachmittage im Atelier Bunter Jakob. Das Licht fällt in schrägen Streifen auf eine lange Tafel mit unterschiedlichem Material: Papier, Pappe, Stoff, Folien, Kronkorken und vieles mehr. Drumherum Kinder, die konzentriert an ihren fantastischen Objekten arbeiten. Als es kurz darauf in Strömen regnet, wird das emsige Treiben kurz unterbrochen, um die Fenster zu schließen, aber danach sind alle schon wieder beschäftigt mit ihren verschiedenen Projekten und Ideen und der Verwirklichung dieser. Der Bunte Jakob ist das Atelier der Berlinischen Galerie in Kreuzberg und gleichzeitig ein Baustein im Netzwerk von Jugend im Museum.

Jugend im Museum ist ein fester Bestandteil der kulturellen Bildung in Berlin oder auch der musisch ästhetischen Bildung wie es zu Beginn noch hieß. Katrin Boemke, die Geschäftsführerin des Vereins, erzählt von der Gründung des Netzwerks im Jahr 1972. Da die musischen Fächer im Schulunterricht als verzichtbar angesehen und stark reduziert unterrichtet wurden, entstand die Idee, über die künstlerische Bildung Museumsinhalte als Freizeitangebot zu vermitteln. Es war die Zeit der Kinderläden, die Wie- derentdeckung der Reformbewegung und des gesellschaftlichen Konsens, das Kind als solches in seinen Wünschen und Bedürfnissen als eigenständiges Individuum wahrzunehmen und zu stärken. Gemeinsam mit Mitarbeitern der Museen Preußischer Kulturbesitz, heute Staatlichen Museen zu Berlin, und interessierten Eltern wurde das Konzept von Jugend im Museum entwickelt und der Verein gegründet. Grundgedanke und Leitmotiv bis heute ist es, Kunst und Kultur anhand eigener, gestalteter Werke zu vermitteln. Nicht die kognitive Wissensvermittlung steht im Vordergrund, sondern die sensorische kreative Schaffenskraft wird angeregt durch eigenes Arbeiten, inspiriert von der gemeinsamen Auseinandersetzung mit den Objekten und Exponaten, die in Museen und Galerien ausgestellt werden.

In den 45 Jahren seit Bestehen des Vereins haben sich nicht nur die Museen verändert, sondern auch die Interessen der Besucher.

Die ausgestellten Werke spiegeln andere Inhalte des Zeitgeschehens – die aktuellen Medien zur Präsentation aber auch zur Rezeption waren zu Beginn nicht vorstellbar. Heute gehört es zum Selbstverständnis des Vereins, dass Kursangebote alle digitalen Medien miteinbeziehen und die Ergebnisse der Workshops Jugendlicher zum Beispiel auf Instagram gepostet werden. Genauso wie das inhaltliche Angebot sich weiterentwickelt hat, sind Katrin Boemke und ihre Kollegen immer darum bemüht, die Angebote demokratisch und inklusiv zu gestalten. Die Hürde ins Museum zu gehen und Kindern aus unterschiedlichen familiären Hintergründen die selben Chancen zu eröffnen, war für den Verein schon immer ein großes Anliegen. Deshalb haben sich über die Jahre verschiedene Formate entwickelt, die in Absprache mit den jeweiligen Museen verändert und weiterentwickelt wurden und werden.

Angefangen mit kontinuierlichen Kooperationen mit Kitas, Kindergeburtstagen, über Schulklassenangebote, zum Ferienprogramm, über den Familiensonntag, die offene Werkstatt und das wöchentliche Atelier kann jeder seine Nische nden. Die Kursleiter entwickeln zum größten Teil in enger Zusammenarbeit mit den Kuratoren der jeweiligen Museen Konzepte zur altersgemäßen Vermittlung der Ausstellungen. Angepasst an das Können, die Interessen und die Möglichkeiten der verschiedenen Häuser bauen, basteln, kleben, fotogra eren und animieren die Kinder eigene künstlerische Werke. Die Idee durch das eigene Tun Kunst und Kultur, hier und dort zu verstehen, bleibt dabei Leitfaden und Grundgedanke. Heute ist der Verein ein Netzwerk, das mit 20 bis 30 Museen und anderen kulturellen Einrich- tungen in Berlin kooperiert; in der Vermittlung sind 60 bis 80 freischaffende Kursleiter beschäftigt. Auch nach fast 20 Jahren Jugend im Museum strahlt Katrin Boemke, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt und den vielen neuen Ideen für Kooperationen und kreativem Wandel. Der Erfolg des Vereins zeigt sich beim Blick ins Atelier und auf das freudige Schaffen und Gestalten ihrer Welt und die entstehende Kunst der Kinder.

Atelier Bunter Jakob in der Berlinischen Galerie, Alte Jakobstr. 124–128, 10969 Berlin, www.berlinischegalerie.de

Alle Infos zu den Kursen und Workshops unter www.jugend-im-museum.de

Text und Foto: Sibylle Baier

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