Auf Mutter-Kind-Kur – Woche 3

Mutter-Kind-Kur – Krankenkassengesponserter Wellnessurlaub oder harte Prüfung? Autorin Sandy J. Bossier war mit ihren zwei kleinen Kindern drei Wochen an der Ostsee. Ihr Erlebnisbericht – die dritte und letzte Woche…

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©Sandy J. Bossier

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Der Kuralltag bringt eine gewisse Erholung, auch wenn er zeitweilig anstrengend ist. Die Ferne der Heimat und Abwesenheit der sonstigen Strukturen ist auf eine eigentümliche Art belebend. Oft merkt man eben erst, was man an den Dingen hat, sobald sie einem fehlen: am eigenen Mann, der Pizza vom Lieblingsitaliener, dem bequemen Bett daheim.  Zudem bewirkt der direkte Vergleich mit anderen Müttern und ihren Problemen eine gewisse Entlastung. Durch die hellhörigen Wände dringt Geschrei und Gezeter. „Denen geht’s also genauso…!“  Verständnis. Der Blick von außen auf den sonstigen Wahnsinn. Erleichterung.

Am letzten Wochenende knallt endlich die Sonne. Während die Kinder mit großen Schlapphüten und UV-Neoprenanzügen ausgestattet werden, tragen die Mütter leuchtende Sonnenbrände auf den Dekolletés zur Schau. Es geht mit Sack und Pack an den Strand, immer mit dabei: die obligatorische Strandmuschel jeder pflichtbewussten Mutter. Der Strand funkelt mit farbenfrohen Rundzelten, auf dem Zimmer häuft sich feiner Sand. Am Abend  ist er in jeder Bett- und Poritze präsent und spürbar. Dazu kommen unzählige Steine in jeder Form, Farbe und Größe, Federn, Muscheln und einige Seesterne. Die Frauen reden in der dritten Woche viel von der nahenden Abreise, ich halte meinen letzten Wochenplan in Händen: „Abschlussgespräch“ und „Abschlussuntersuchung“ machen gegenwärtig, dass sich der Kuraufenthalt dem Ende neigt. Trotzdem beginne ich in der letzten Woche noch mit Kneippen. Frühmorgens im kalten Ostseewasser, die Hosenbeine bis zu den Knien gekrempelt, sinniere ich über Veränderungen nach. Was kann ich mitnehmen von den letzten Wochen, außer gesammelten Muscheln und Notizen vom Anti-Stress-Seminar? Was lässt sich zuhause umsetzen, was will ich beherzigen? Was werde ich anders machen nach der Rückkehr? Was will ich erreichen in den nächsten Wochen, Monaten, gar Jahren? Was macht mich glücklich? Wie kann ich mich weiterentwickeln? Werde ich traurig sein, wenn die Kur vorbei ist?

Ich kann nicht auf alle Fragen die passenden, gar endgültigen Antworten finden. Und ob sich eine Mutter-Kind-Kur für jede Familie lohnt, lässt sich auch nicht pauschal sagen. Es kommt ganz darauf an, welche Erwartungen man hat. Auf jeden Fall sollte man sich im Vorfeld gut überlegen, was man sich von der Kur verspricht und danach den Aufenthalt gestalten. Man kann in jedem Fall schnell Anschluss finden, manchmal gar Freundschaften schließen, die über die Kur hinausgehen. Genauso gut kann man sich raus ziehen, um Zeit für sich zu finden. Je nach Belieben. Auf keinen Fall darf man sich jedoch sperren und alles schlecht reden, auch wenn Vieles vielleicht nicht dem eigenen Geschmack entspricht. Man muss vielmehr bereit sein, sich für Neues zu öffnen, sich auf andere Tagesabläufe, Essensrituale und Müttern mit Kindern einzulassen. Man sollte bedenken, dass der Alltag einer Kur schwieriger sein kann, als der daheim. Resümierend lässt sich feststellen: Eine Mu-Ki-Kur ist weder Urlaub noch Wellness, sie ist vielmehr eine Pilgerfahrt, sofern man sich auf sie einlässt, eine Reise zu sich selbst.

Text: Sandy J. Bossier

Den Erlebnisbericht aus Woche 2 liest man hier
Den Erlebnisbericht aus Woche 1 liest man hier 

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