Julia Zehavi von Welcome Mamas

BABY-SPECIAL 2017 – Die gebürtige Berlinerin hat 2016 den Verein Welcome Mamas gegründet, der sich um schwangere Geflüchtete kümmert. Im Interview spricht die angehende Doula über die besonderen Herausforderungen, vor denen diese stehen ...

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© Veronika Wallner

Hier findet ihr das ganze HIMBEER BABY-SPECIAL 2017

Der Verein Welcome Mamas vermittelt schwangeren Geflüchteten soziale, medizinische und rechtliche Unterstützung. Dies geschieht durch Patinnen, das heißt Frauen, die bereits Erfahrung mit einer Schwangerschaft und einem Baby in Deutschland haben. Julia kümmert sich dabei um die Koordination dieser Patenschaften.

Bereits als Studentin war sie als Referentin für ausländische Studierende aktiv. Später hat sie viele Jahre in Israel gelebt, dort geheiratet und ihr erstes Kind bekommen. Nach ihrem zweiten Kind entschied sie sich, nach fast 15 Jahren in der Musikverlagsbranche nicht dorthin zurückzukehren. So hat sie begonnen für Familien zu kochen. Das allein war ihr nicht genug und so ließ sie sich zur Doula weiterbilden. Während der großen Flüchtlingswelle hat es sich Julia zudem besonders zur Aufgabe gemacht, schwangere Geflüchtete zu begleiten. www.welcome-mamas.org

 

Was unterscheidet eine Doula von einer Hebamme und was sind ihre Aufgaben?
Wir Doulas sind ausgebildete Geburtsbegleiterinnen und haben selbst Kinder geboren. Wir arbeiten im Gegensatz zu den Hebammen nicht in Schichten und können daher eine kontinuierliche und individuelle Begleitung gewährleisten. Auch haben wir eine exklusive Rufbereitschaft von zehn Tagen vor bis zehn Tage nach dem Entbindungstermin. Darüber hinaus geben wir unser möglichstes. Während der Schwangerschaft stehen wir via Telefon, Email oder WhatsApp für Fragen zur Verfügung.

Die Hebamme begleitet die Geburt medizinisch, wohingegen wir der Frau während der Geburt emotional zur Seite stehen. Wir begleiten die Frau an den Geburtsort ihrer Wahl, unterstützen allerdings keine Alleingeburten. Vor der Geburt lernen wir uns kennen und erkennen dabei, wie die Frau gern unterstützt werden möchte. Sei es das Atmen, das Massieren, die Ansprache oder das Anreichen des Wassers und der Schokolade. Nach der Geburt treffen wir uns noch einmal und geben dabei die Möglichkeit, sich gemeinsam an die Geburt zu erinnern. Wir sind im Prinzip wie die geburtserfahrenen Familienangehörige der alten Zeiten.

 

Vor welchen besonderen Herausforderungen stehen schwangere Geflüchtete?
Die Hauptherausforderung besteht darin, dass sie allein sind. In den meisten Fällen sind die näheren Angehörigen weit weg und können sie nicht unterstützen. Neben der Sprache kommen auch kulturelle Unterschiede auf sie zu. Beispielsweise haben im Heimatland viele Frauen eine Kaiserschnittgeburt, wohingegen hier die Ärzte und Hebammen immer wieder die spontane Geburt empfehlen. Viele wohnen noch in Unterkünften, in denen es teilweise nicht immer warmes Wasser gibt, sich viele Menschen einen Waschraum teilen müssen und nicht selber gekocht werden kann. Alles Themen, die gerade in der Schwangerschaft als sehr unangenehm empfunden werden.

 

Was sind die ersten Schritte für schwangere Geflüchtete?
Die ersten Schritte sind sicherlich wie für jede Berliner Schwangere zum Arzt, um die Schwangerschaft bestätigen zu lassen. Dann wird mittlerweile im Verlauf der nächsten Monate die gleiche Vorsorge angeboten wie für alle hier gesetzlich versicherten.

 

Was sind die Aufgaben der Patinnen?
Die globale Aufgabe ist sicherlich, die Neu-Berlinerin hier in die sogenannte Regelversorgung zu bringen. Unsere Patinnen begleiten mal zum Arzt, kümmern sich mit um Termine für andere Vorsorgen, die Anmeldung im Krankenhaus, suchen eine Hebamme und einen Kinderarzt und sind da als Freundin.

Wir gehen zusammen durch die Nachbarschaft und schauen, wo es Angebote rund um Schwangerschaft, Geburt und erstes Lebensjahr gibt oder machen Spendensammelaktionen im Freundeskreis. Manche von uns begleiten die neue Freundin auch zur Geburt. Wenn die Frau weiteren Beratungsbedarf hat, versuchen wir die richtigen Ansprechpartner für sie zu finden.

 

Was sind deine Empfehlungen für Schwangere und Jungmütter in Berlin?
Geburt ist die natürlichste Sache der Welt. Ich persönlich empfinde es als extrem wichtig, zu wissen was frau will. Um sich bspw. auf eine Krankenhausgeburt gut vorzubereiten ist es eine gute Idee eine Doula an der Seite zu haben. Anstatt nächtelang das Internet zu durchforsten, habe ich mir damals die Familien in meinem Freundeskreis angeschaut und die, wo mir die Stimmung am besten gefallen hat, die habe ich beobachtet und gefragt.

Außerdem ist es toll, wenn man mit dem Partner vor der Geburt schon Themen wie Stillen, Schlafen, Tragen besprechen kann, um so zusammen die ersten Monate etwas entspannter zu sein. Auch kann man über die gesetzlichen Krankenkassen den Einsatz einer Mütterpflegerin oder Haushaltshilfe prüfen lassen.

Als Nord-Friedrichshainerin bin ich viel ins Paul & Paula Kindercafé gegangen, aber auch ins Juli Familienzentrum. Wir sind auch oft in den Volkspark Friedrichshain und Gleisdreieck Park gewesen. Überhaupt sind wir in Berlin in der glücklichen Situation, dass wir viele Familienzentren haben und viele Aktivitäten für junge Familien.

 

Paul & Paula Kindercafe, Richard-Sorge-Str. 25, 10249 Berlin-Friedrichshain, www.paul-und-paula.de

Juli Familienzentrum, Gürtelstr. 20 (am Kurt-Ritter-Sportplatz), 10247 Berlin-Friedrichshain, www.lebensnah.de

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