THEO-Preisträgerin Jeruscha Strelow im HIMBEER-Interview

Jeruscha Strelow, Gewinnerin des THEO-Literaturpreis 2012 der Kategorie Lyrik, schreibt unheimlich gern und ist leidenschaftliche Musikerin. In ihrem Gedicht hat sie beides verbunden und hat den Takt der U-Bahn, des Menschen in der Großstadt überzeugend eingefangen. Wir haben die 16-Jährige zu ihrem besonderen Text, ihrer blühenden Kreativität und dem Gefühl als Preisträgerin befragt.

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von links nach rechts: Moira Frank, Jeruscha Strelow, Anile Tmava, Mara Spiekenheuer | © Privat

Die Schülerin aus Berlin wollte ihre literarischen Werke nicht immer nur ihrer Familie und ihren Freunden zeigen, sondern auch mal die Meinung eines größeren Publikums erhalten.

So ist Jeruscha zum THEO gekommen und durfte die Trophäe als eine der Siegerinnen mit nach Hause nehmen. Im Interview hat sie uns verraten, dass sie am besten im Dunkeln schreiben kann und die Interpretation ihrer Texte am liebsten den Lesern überlässt. Als einer von über 350 eingereichten Texten wurde ihr Gedicht Das, was mein Herz zum Schlagen bringt mit dem THEO in der Kategorie Lyrik ausgezeichnet.

Eine weitere Preisträgerin der insgesamt vier Mädchen ist die Berlinerin Anile Tmava, die mit Meine Geschichte den Preis für Prosa der Altersklasse 9-12 erhielt.

Schreibst du regelmäßig und könntest du dir vorstellen, später beruflich etwas mit Schreiben zu machen?
Ja, ich schreibe sehr oft. Nicht regelmäßig, aber immer, wenn es mich überfällt. Ich könnte es mir gut vorstellen, später Schreiben zu meinem Beruf zu machen. Aber vielleicht eher als Zweitberuf, an erster Stelle steht dann doch die Musik.

Wodurch wurde deine Lust am Schreiben ausgelöst?
Ich glaube, die war schon immer da. Als ich noch nicht schreiben konnte, habe ich Geschichten gemalt und als ich dann schreiben konnte, schrieb ich eigentlich nur noch Gedichte. Aber woher diese Lust am Schreiben kommt, weiß  ich nicht.

Worüber schreibst du sonst? Welche Themen interessieren dich?
Ich schreibe über alles, was mich in dem Moment bewegt. Das kann das Wetter, Politik, Freunde, Schule, … sein.

Warum hast du dich entschieden, beim THEO teilzunehmen?
Beim THEO habe ich teilgenommen, um einmal meine Texte einem größeren Publikum als meiner Familie und meinen Freunden zu präsentieren und mal auf diesem Wege eine Rückmeldung zu bekommen.

Wie stehst du zum Thema des THEO 2012 – Maschinen? Hast du es schwierig gefunden,dazu etwas zu schreiben?
Die Idee zu einem Text zur U-Bahn hatte ich schon lange vorher. Das THEO-Thema war dann der Auslöser, den Text zu schreiben.

Wie haben deine Freunde beziehungsweise deine Familie auf deinen Text reagiert und darauf, dass du beim THEO teilgenommen hast?
Die meisten fanden das beeindruckend und haben sich natürlich für mich gefreut.

Wie fühlst du dich als eine der Preisträgerinnen?
Es freut mich erstmal immer noch, dass ich beim THEO gewonnen habe. Es ist schon eine große Ehre, wenn man sich einmal anguckt, was für tolle Texte die Mitstreiter hatten. Der Wettbewerb hat mich ermutigt, weiter Texte bei Literaturwettbewerben einzuschicken. Denn es ist gar nicht so abwegig, dass man bei solch einem Wettbewerb gewinnt, wie man sieht.

Wie lange hast du gebraucht, um den Text zu schreiben? 
Vielleicht 40 Minuten, um den Text zu schreiben. Ich habe ihn aber noch ein paar Mal nachbearbeitet.

Wie bist du auf den Text gekommen? Bist du die Protagonistin in deinem Text?
Die Idee des Textes, was man wahrscheinlich auch vermutet hat, kam mir in der U-Bahn. Sicherlich bin ich wohl immer in einem meiner Texte teilweise die Protagonistin, weil es ja meine Sicht ist.

Was ist die Botschaft deines Textes?
Oh, das ist eine schwierige Frage. Die Interpretation überlasse ich lieber dem Leser.

Was reizt dich besonders an dem Schreibstil, den du verwendet hast?
Er ist sehr frei. Man ist nicht an ein bestimmtest Reimschema gebunden. Man kann reimen, oder auch nicht, wie man will. Man kann solche Texte super rhythmisieren und es macht einfach Spaß, sie vorzutragen. Generell muss ich sagen, dass es mir sogar mehr Spaß macht solche Texte zu schreiben als streng konventionelle Gedichte.

Was glaubst du, differenziert uns von Maschinen?
Ich bin keine U-Bahn. Ich meine, es geht ja bei diesem Thema um das Verhältnis von Maschinen und Menschen und nicht um den Unterschied.

Warum hast du dich für eine U-Bahn entschieden?
Puh, das weiß ich nicht. Ich war halt in der U-Bahn, als mir die Idee kam. Es hätte auch in der S-Bahn sein können. Da wäre der Text dann wahrscheinlich anders geworden.

Steht die U-Bahn für etwas Bestimmtes, zum Beispiel den Zug des Lebens, eine Lebensreise mit verschieden Stationen?
In dem Moment, als ich den Text schrieb, war die U-Bahn für mich bloß die U-Bahn. Aber die Idee der Auslegung find ich gar nicht schlecht. Aber wie gesagt, ich überlasse das jedem Einzelnen, wie er den Text auslegt.

Siehst du den Menschen als Maschine, die vom Herzschlag angetrieben wird?
Nein, zum Ende des Textes sage ich ja, dass die Bahn eine Maschine ist, wir aber Menschen. Gemeinsam haben wir mit der U-Bahn und der Stadt nur die Musikalität des Taktes.

Warum denkst du, ist es für Menschen so wichtig, das Thema Maschinen zu behandeln?
Weiß nicht, darum ging es mir gar nicht.

Wie denkst du, wird unser Leben in 30 Jahren aussehen?
Wärmer.

Unter welchen Umständen bist du am kreativsten? Wodurch wird deine Kreativität am meisten angeregt?
Wenn es dunkel ist, kann ich am besten schreiben. Woran das liegt, weiß ich gar nicht. Musik höre ich auch immer gerne dabei.

Bist du auch in anderen Bereichen kreativ tätig?
Ja! Ich mache Musik, auch sehr viel. Oft male ich auch. Nicht wirklich toll, aber für mich reicht es aus.

Was sind deine Lieblingsorte in Berlin und warum?
Eindeutig die Spree im Sommer! Aber auch sonst eigentlich überall, wo ich mit meinen Freunden Spaß habe.

Hast du einen Lieblingsautor beziehungsweise ein literarisches Vorbild?
Natürlich sind Goethe und Fontane auf der Liste. Aber ich lese auch unheimlich gerne Borchert und ich denke, dass Cornelia Funke eine der besten deutschsprachigen Autorinnen ist. Aber ein literarisches Vorbild habe ich eigentlich nicht. Ich hole mir Inspiration bei einigen Autoren. Aber davon würde ich dennoch keinen als mein Vorbild sehen.

Was sind deine Lieblingsbücher und was gefällt dir an ihnen?
Wohl immer bei mir unangefochten bleibt Khaled Hosseinis Tausend strahlende Sonnen und E.T.A. Hoffmanns Der Sandmann. Tausend strahlende Sonnen ist einfach großartig, weil es so lebensnah und so anders ist. Beim Sandmann fasziniert mich eher die Sprache.

Wir danken dir für das Gespräch!

Das Interview führten Laura Goede und Sophie Gottschall

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