Gute Gründe: Paul Löhndorf von Proviant

Vor knapp neun Jahren kam es zur legendären Gründung in der WG-Küche: Die Fruchtmanufaktur Proviant war geboren. Seitdem erweiterte das ehemalige Startup immer wieder die Produktpalette. Heute sind die Proviant Limonaden und Smoothies deutschlandweit in den Bioläden erhältlich. Wir haben einen der drei Gründer, Paul Löhndorf, getroffen und erfahren, wie aus einer Wohngemeinschaft ein erfolgreiches Unternehmen wurde.

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Tom (links) und Paul (rechts) in ihrer Smoothie-Manufaktur © Proviant

Tom, Jan und Paul kennen sich noch aus der Schule, wuchsen gemeinsam in einem kleinen Ort bei Erlangen/Nürnberg auf. „Es war schon immer unser Plan, mal etwas geschäftlich gemeinsam zu starten, bevor Familie und Kinder kommen“, sagt Paul.

Ursprünglich schwebte den dreien da ein Café vor, am liebsten auf einem der Berliner Uni-Campusse. Als Jan, der gelernter Koch ist, und Paul in eine gemeinsame Wohnung am Boxi zogen, nahm die Idee konkretere Formen an. Zu dritt schrieben sie einen Business-Plan für die Bank, besuchten Kaffeeröst-Seminare und meldeten sich auf Straßenfesten an, um ihre Produkte testzuverkaufen. Dazu mieteten die Freunde eine kleine Küche an und produzierten frisch gepresste Säfte, Bagels und Wraps – alles in Bio-Qualität.

Gute Gründe | BERLIN MIT KIND

Ein paar Wochen später kam die Absage der Standorte, auf die sich die Gründer in spe beworben hatten. „Das war enttäuschend. Auf den Straßenfesten standen wir zu dem Zeitpunkt schon sehr erfolgreich und hatten gesehen, dass unsere Smoothies durch die Decke gehen“, sagt Paul.

Das Ende der einen Idee war der Beginn von Proviant: eine Smoothie-Manufaktur, die selbst und frisch produziert und die ihre Frucht-Smoothies an die Gastronomie weitergibt. „Dann haben wir investiert, uns einen Vorrat an Flaschen zugelegt, die Auflagen studiert, Etiketten erstellt und 2009 verkauften wir dann zur Sommersaison den ersten Proviant-Smoothie, damals noch an das benachbarte Bio-Frühstückscafé“, erinnert sich der gelernte Sport- und Fitnesskaufmann. „Die erste Bestellung kam übrigens per Fax!“

 

Von 20 auf 1500 Quadrameter
Seitdem und seit der legendären WG-Küchenunterzeichnung eines GbR-Vertrages sind knapp neun Jahre vergangen, in denen das Startup fünf Mal umgezogen ist. Im Zuge dessen änderte sich jedes Mal die Rechtsform und inzwischen ist Paul der letzte verbliebene Gründer. Es wurden einige Geräte angeschafft für Großküchen: Entsafter, Pürierstäbe und so weiter.

30 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen arbeiten heute bei Proviant auf ganzen 1500 Quadratmetern und produzieren nicht mehr nur Smoothies, sondern auch Limonaden und seit neuestem Natur-Kola. „Das zweite Jahr war intensiv“, sagt Paul, „denn da wurden wir deutschlandweit in über 200 Biomarkt-Filialen gelistet.“

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Mit dem Wachsen der Firma kam zwar auch immer mehr Absicherung, doch an weniger als 70 Stunden Arbeitszeit die Woche war nicht zu denken. Deshalb schob Paul die Familienplanung etwas nach hinten: „Wenn man Familie hat, ist das einfach eine ganz andere Sache, was die Prioritäten angeht. Du denkst die ganze Zeit an dein Kind, ich erlebe das ja jetzt selbst“. Vor ein paar Monaten ist der 37-Jährige Vater geworden. Seine Frau gehört auch zum Proviant-Team, ist dort für die Exportbetreuung zuständig. Die beiden lernten sich im ersten Gründungsjahr in Utrecht kennen.

 

Gründung Hoch Zwei
„Bei Proviant machen wir von A bis Z alles selbst“, sagt der studierte Betriebswirt, „deshalb ist es schwer, während des geschäftlichen Gründens auch eine Familie zu gründen.“ So kam eins nach dem anderen. Frei nach den Grundsätzen des sogenannten Change Managements wuchs Proviant Stück für Stück und Paul teilte immer mehr die Verantwortung auf. „Selbstständig sein und Vater sein fühlt sich super an! Wir haben die Freiheiten und die Flexibilität und Proviant bietet meiner Frau und mir gute Jobs!“

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Für die Zukunft gibt es natürlich einige Pläne, neue Limo-Sorten sind in Arbeit und gerade erst hat Proviant noch eine dritte Produktkategorie auf den Markt gebracht, die Natur-Kola. Doch nach den geplatzten Café-Plänen gab es nie wieder einen Business-Plan – „nur eine legendäre Excel-Tabelle“, lacht Paul.

 

Text: Eva Schneider
Bildnachweise: © Proviant Fruchtmanufaktur

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