7 Fragen an... Hiroko Tanahashi

Die Medienkünstlerin und Mutter Hiroko Tanahashi sprudelt vor Kreativität. Mit einer Mischung aus Theater, Trickfilm und Installation lässt die gebürtige Japanerin die Zuschauer ihrer Performances in fantastische Welten eintauchen. Eine weitere interessante Frau, der wir unbedingt unsere 7 Fragen stellen mussten.

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© posttheater.com

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Hiroko Tanahashi, geboren in Tokyo, ist Mutter zweier Jungs, die vier und sieben Jahre alt sind. Sie studierte in New York an der New York University Film (BFA) und an der Parsons School of Design Medienkunst (MFA). Seit 1999 ist sie künstlerische Ko-Leiterin der Medien-Theater-Company post theater, mit der ihre medialen Theater- und Tanz-Arbeiten in über 20 Ländern weltweit tourten. Hiroko hat zahlreiche Preise und Stipendien erhalten, darunter den Bremer Autorenpreis, Akademie Schloss Solitude, Taipei Artist Village, Künstlerhaus Lukas und Tokyo Wonder Site. Aktuell bekamen ihre Theaterstücke "Jobs im Himmel" und "House of Hope" den Stuttgarter Theaterpreis (2015 und 2017).

Bei der Auseinandersetzung mit bekannten Geschichten wie "Alice im Wunderland" oder dem "Zauberer von Oz" haben sich Hiroko und ihre Company post theater zu ihren besonderen Performances inspirieren lassen, die eine Kombination aus Theater, Trickfilm und Installation darstellen. Angestiftet von der Begeisterungsfähigkeit der eigenen Kinder haben sie sich so neue, eigene Erzählungen ausgedacht. Gemeinsam mit Trickfilm-Künstlerinnen und -Künstlern wurden diese Geschichten dann handgezeichnet in ortsbezogene Trickfilme umgesetzt.

Die erfolgreiche Performance "I in Wonderland" kehrt zum Jahreswechsel nach Berlin zurück. Die 60-minütige Vorstellung lädt junges und erwachsenes Publikum in ein begehbares, lebendiges Bilderbuch ein. Je acht Zuschauer tauchen, begleitet von einem seltsamen Zwitterwesen, ein in eine Fantasiewelt voller Abenteuer. In vier sehr ungewöhnlichen Räumen brechen illustrierte Trickfilm-Figuren auf zu Reisen ins Ungewisse. Weitere Infos zu den Vorstellungen und Tickets gibt es hier.

Wir haben den kreativen Kopf hinter diesem ungewöhnlichen Vergnügungspark zum Interview gebeten und spannende Einblicke in das Familienleben von Hiroko erhalten – von kulturellen Unterschieden im Erziehungstil bis hin zu japanischen Reisbällchen.

Was hast du dir ganz anders vorgestellt, bevor du Kinder hattest?
Ich hatte keine Vorstellung davon, wie ich als Mutter sein würde. Ich habe mich selber neu kennengelernt. Ich wünschte mir oft, dass ich gelassener und geduldiger sein könnte mit den Kindern – so wie meine Mutter mit mir war. Ich war aber auch ein extrem folgsames, braves Kind. Ich kannte diese Art von wilden Ungeheuern nicht, die sich allen Verboten widersetzen – meine Söhne – nicht. Andererseits überraschen sich die beiden Wilden auch mit wunderbaren, liebevollen Dingen, die sie tun oder sagen – jeden Tag. Das Leben mit Kindern ist so voller Überraschungen – jenseits meiner kühnsten Fantasien. Im positiven Sinne!

Wie würdest du deinen Erziehungsstil beschreiben?
Auch wenn es vielleicht schlecht klingt – aber ich habe kein besonders Konzept. Ich bin wahrscheinlich eher streng mit meinen Kindern, aber auch mit einer Riesenportion Liebe. Es ist mir wichtig, dass die Kinder lernen, selbstständig zu sein, und sich in der Welt mit Mut zurecht zu finden. Dabei sollen sie aber empathiefähig für andere sein, mit anderen mitfühlen können. Ich komme ja aus Japan, und bin dort aufgewachsen. Der Kontrast zwischen den Vorstellungen von Erziehung dort und hier ist extrem. Vielleicht sind beide Länder oft zu polarisiert, zu heftig in einer Richtung. Japan ist sehr streng. In Deutschland wird auf Disziplin nicht so viel Wert gelegt. Ich bin froh darüber, dass meine Kinder hier aufwachsen, und nicht in Japan – aber so einfach ist das nicht: es gibt auch gute Dinge in japanischer Erziehung und (Vor-)Schule. Ich finde es gut, dass die Kinder in Japan ihren Klassenraum jeden Tag selber putzen müssen. Putzen ist Teil des Stundenplanes, und ich schätze es, dass die Kinder lernen, ihre Schule selber in Ordnung zu halten, und das nicht durch andere "von selber" passiert.

Was tust du am liebsten, wenn du mal ohne Kinder bist?
Ich koche sehr gerne, probiere neue Gerichte aus. Gerade versuche ich, mit einer Joghurtmaschine selber aus Kokosnussmilch Kokosnussjoghurt herzustellen. Und ich lese sehr gerne – vor allem amerikanische Erzähler, und auf Papier, als echte Bücher. Und ich mache auch mal gerne gar nichts. Kochen und Lesen, das teile ich mit meinem Mann, aber das Nichtstun, das kann er nicht.

Was finden deine Kinder richtig blöd an dir?
Für Matz (sieben Jahre alt) ist es furchtbar, dass er mit mir Hausaufgaben für die japanische Zusatzschule machen muss (Schriftzeichen lernen etc.) – jeden Tag!
Mori (vier Jahre alt) findet höchstens nervig, dass auch er sein Zimmer aufräumen muss. Die Japanisch-Hausaufgaben kommen erst noch ...

Was ist das Schönste am Leben mit Kindern?
So viel Liebe geben zu dürfen und auch zu empfangen. Das Wundern der Kinder in ihrem Umgang mit der Welt zu erleben. Das Leben aus ihrer Perspektive zu sehen. Ich erinnere mich nicht an den eigenen Prozess des Größer-Werdens in dem Maße, wie ich es bei meinen Kindern erlebe. Das ist faszinierend!

Was ist euer liebstes Familien-Rezept?
Schwere Frage – aber generell wird am liebsten japanisch gegessen bei uns. Eines der Leibgerichte der Kinder sind Onigiri - Reisbällchen. Der Trick ist, weißen japanischen Reis (am besten im japanischen Supermarkt, aber andere Asia-Läden haben oft auch echten japanischen Reis) zu kochen und dann mit Meersalz und geröstetem Sesam zu vermischen und in abgerundete Dreiecke zu formen. Dann mit Nori (Algenpapier) einwickeln – aber erst kurz, bevor man sie isst.

Was sind eure Lieblingsempfehlungen für Unternehmungen?
Wir gehen sehr gerne mit unseren Kindern ins Theater (und die mit uns). Es ist prima in Berlin zu leben, weil es hier ein großes kulturelles Angebot für Kinder gibt. Natürlich gefallen uns nicht alle Kindertheater, aber das Theater an der Parkaue hat oft großartige Stücke, die nicht nur für die Kinder interessant sind, sondern für uns Erwachsene ebenso.
Natürlich empfehle ich gerne auch unsere eigene Arbeit "I in Wonderland" – unsere Kinder freuen sich schon, obwohl sie die schon mehrmals gesehen haben. Je älter sie werden, umso mehr Sachen entdecken sie im Stück.

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